China im Wandel

08.01.2016

Von Wolfgang Pomrehn

Die chinesischen Aktienkurse  spiegeln nur sehr bedingt den Zustand der real Ökonomie wieder.Die Volksrepublik zieht immer größere Mengen ausländischen Kapitals an und erlebt einen Gründer-Boom. China ist bei ausländischen Investoren so beliebt, wie nie zuvor. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur /Xinhua/ steckten sie 2015 114 Milliarden Dollar in Aufkäufe, neue Produktionsanlagen und Neugründungen in der Volksrepublik.

BEIJING, Jan. 5 2016 (Xinhua)  Foreign investment in China reached a record 126 billion U.S. dollars in 2015, according to new official data.

In the first 11 months of the year, China took in 114 billion U.S. dollars in non-financial investment, up 7.9 percent year on year, the Ministry of Commerce (MOC) said in a statement on Tuesday.

Nearly 24,000 foreign-funded enterprises were founded in the first 11 months, 11 percent more than in the same period of 2014.

Guided by the Chinese government, an increasing amount of foreign capital flowed to the service sector and advanced manufacturing, according to the statement.

Investment from major countries kept stable in 2015 and China’s free trade zones with preferential policies were major factors in the foreign capital inflow.

„Foreign investment increased at a relatively fast speed with improving quality against the background of a fierce global fight for capital and persistent downward pressure,“ said the MOC.

In 2014, China took in 119.6 billion U.S. dollars in non-financial foreign investment, overtaking the United States for the first time as the world’s largest foreign investment receiver.

Das war ein Allzeitrekord und 7,9 Prozent mehr als im Vorjahr, in dem laut Agentur das Land der Mitte erstmals die USA als Empfänger als ausländischer Direktinvestitionen überholt hatte.

In den ersten elf Monaten des Jahres wurden 24.000 Firmen mit ausländischem Geld gegründet, so Xinhua. Das sei eine Steigerung um elf Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum in 2014 gewesen. Ein nicht näher quantifizierter wachsender Teil der Investitionen ginge den Absichten der Regierung entsprechend in den Dienstleistungssektor und ins obere Segment der verarbeitenden Industrie.

Das passt zur seit einigen Jahren vorangetrieben Politik der forcierten technischen Entwicklung, die China weg von der arbeitsintensiven, aber relativ wenig wertschöpfenden Produktion von Textilien und ähnlichen Billig-Konsumgütern hin zu höherwertigen und innovativen Produktlinien führen soll.

Eine ähnliche Entwicklung hatten zuvor zuerst Japan und dann ab den 1980er Jahren Südkorea und Taiwan durchlaufen, deren Vorbild in China seit langem studiert wird. Dazu passt eine regelrechte Innovationsflut, von der Xinhua berichtet.

In den ersten drei Quartalen 2015 seien landesweit jeden Tag 10.000 neue Unternehmen gegründet worden. Die Regierung habe einen Fonds von 40 Milliarden Yuan (5,7 Milliarden Euro) aufgelegt, aus dem Neugründungen gefördert werden. Das Land würde jedoch erst etwas mehr als zwei Prozent seiner Wirtschaftsleistung in Forschung und Entwicklung stecken, während in den Industriestaaten dieser Anteil meist bei drei bis vier Prozent liegen.

Und wie passt das alles mit den jüngsten Börsen-Turbulenzen zusammen? Offensichtlich spiegeln die chinesischen Aktienkurse – aus welchen Gründen auch immer – nur sehr bedingt den Zustand der real Ökonomie wieder. Diese befindet sich in einer größeren Umbruch – aber keineswegs in einer Kontraktionsphase.

Das Wirtschaftswachstum scheint sich nach einem Bericht des Guardian bei 6,5 Prozent eingependelt zu haben. Das ist weniger als im Schnitt der letzten 25 Jahre aber angesichts der erreichten Größe der chinesischen Volkswirtschaft immer noch beachtlich…

2014 war es mit rund 10,35 Billionen US-Dollar nach Angaben der Weltbank die zweitstärkste Volkswirtschaft hinter den USA (17,42 Billionen US-Dollar) und weit vor Japan (4,6 Billionen US-Dollar). Im Jahre 2000 hatte die Volksrepublik noch mit lediglich 1,2 Billionen US-Dollar Bruttosozialprodukt auf Platz sechs gelegen…

Probleme machen der chinesischen Wirtschaft derweil die Anbindung des Yuan an den US-Dollar. Dieser hat in den letzten Jahren kräftig aufgewertet und die chinesische Währung mit nach oben gezogen. Die Führung in Beijing versucht gegen zu steuern, in dem sie den Yuan gegen den US-Dollar abwerten lässt. Letzten Sommer geschah das in einem abrupten Schritt, der in Europa und den USA für Aufregung sorgte. Seitdem erfolgt die Abwertung eher graduell in Minischritten. Dennoch wurde eine leichte weitere Abwertung zum Auftakt des Jahres für die jüngsten Börsenturbulenzen mitverantwortlich gemacht…

Der Yuan hat gemessen am kurzzeitig im April 2015 erreichten Jahreshöchststand bisher 6,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren. Damit ist der Yuan gegenüber dem US-Dollar aber immer noch 4,8 Prozent stärker als in den Krisenjahren 2008/2009… Aber das Verhältnis des Yuan zum US-Dollar ist nur die eine Seite der Medaille.

Die Aufwertung des Dollars bedeutet für China, dass sich seine Exporte in andere Weltregionen verteuern, wenn der Yuan diese Entwicklung mitmacht. So ist die chinesische Währung heute in Euros gerechnet trotz der jüngsten Abwertungen noch immer um rund 60 Prozent teurer als 2008. Das macht – sehr zur Freude der deutschen Industrie – chinesische Einkäufe im Euroraum günstig, chinesische Exporte nach Europa aber teurer.

weiterlesen:
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47052/1.html

 

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