Steigt Deutschland aus der „US Chaos Projekt aus?

03.03.2015

Von Pepe Escobar
Mit dem Versuch, den „Westen“ gegen Russland aufzuwiegeln, ist es Washington sicher gelungen, in einer bereits gebeutelten EU mit ein wenig zusätzlichem Chaos – womit auch sonst? – noch mehr Unruhe zu stiften. Die mit neokonservativen Drahtziehern verseuchte Obama-Administration hat gehofft, mit einem Paket westlicher Sanktionen und dem mit Hilfe der Saudis geführten Ölpreis-Krieg die russische Wirtschaft so in Schwierigkeiten bringen zu können, dass Russland „sein Verhalten gegenüber der Ukraine ändert“ und bestenfalls ein Regimewechsel in Moskau dabei herausspringt. Das hat nun aber nicht funktioniert.

Minsk 2 – so fragil das Abkommen auch sein mag – zeigt de facto, dass Deutschland und Frankreich, die führenden Mächte Europas, aus dem US-Chaos-Projekt auszubrechen versuchen. Das US-Chaos-Imperium will keine friedliche Einigung in der Ukraine und wird alles tun, um Minsk 2 zu torpedieren. Die zusammen mit der NATO verfolgte strategische Absicht bleibt bestehen: Moskau soll in einen Krieg mit der Ukraine verwickelt werden, um es wirtschaftlich zu schwächen, um ein Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen der EU und Russland zu verhindern und Russland als globalen Mitbewerber der USA auszuschalten.

Der Ölpreis-Krieg hat aber auch nichts gebracht. Die Neokonservativen sind am Verzweifeln, weil das billige Öl der Saudis dabei ist, die US-Schieferöl-Industrie zu ruinieren. Jetzt reden sie plötzlich laut darüber, mit einem höheren Ölpreis Russland helfen zu wolen; in Wirklichkeit möchten sie aber, um Russland noch mehr zu schaden, den Ölpreis (für die erdölexportierenden Staaten) weiterhin niedrig halten und durch US-Einfuhrzölle zusätzliche Gewinne abschöpfen. Damit wollen die Neokonservativen auch noch Saudi- Arabien und den Iran in Schwierigkeiten bringen. Auf diese Idee ist noch nicht einmal der notorische Russenhasser Dr. Zbignew Brzezinski in seinem Buch „The Grand Chessbord“ gekommen.

Tretet (Frau Lagarde) nicht auf die geborgten Wildlederschuhe!

Wenn das Chaos-Imperium geopolitisch und auf dem Energiesektor in Schwierigkeiten gerät, lässt sich das im Desaster-Kapitalismus wieder ganz einfach ausbügeln. Der Dank dafür gebührt dem IWF! In der Ukraine wird der IWF die gleiche Verwüstung anrichten, die er gerade in Griechenland, vorher in Irland und in den 1970er Jahren auf der ganzen Südhalbkugel angerichtet hat. Der gefürchteten „Strukturanpassung“ folgen immer noch blindwütige Privatisierungen, an denen sich neben „westlichen Investoren“ auch heimische Oligarchen bereichern können. Das IWF-Darlehen erleichtert natürlich auch den (legalen) Landraub.

Das IWF-Darlehen von 17 Milliarden Dollar, das der Ukraine wie durch ein Wunder am Vorabend von Minsk 2 zugesagt wurde, erlaubt es den Oligarchen in Kiew, den für das Chaos-Imperium gegen Russland geführten Stellvertreterkrieg fortzusetzen. Es ist an eine Schlüsselbedingung geknüpft: Die Ukraine muss uneingeschränkte Biotech-Landwirtschaft zulassen, und das ist wirklich ein Hauptgewinn (für Monsanto und Konsorten). Die Ukraine ist mit ihren fruchtbaren schwarzen Böden, auf denen wirklich alles hervorragend wächst, das drittgrösste Ausfuhrland der Welt für Mais und das fünftgrösste Ausfuhrland für Weizen. Die Gewinner werden die üblichen der Genmanipulation Verdächtigen sein – die Samenerzeuger Monsanto und Dupont – und der Landmaschinenhersteller John Deere.

Michael Hudson hat das Vorgehen des Amok laufenden Turbo-Neoliberalisus schlüssig nachgezeichnet, und er hat Recht: Bei dem jüngsten Angriff auf den Rubel ist deutlich geworden, dass „Währungsmanipulation zu einer neuen Art der Kriegsführung geworden“ ist und „die Schlachten jetzt mit erzwungene Privatisierungsausverkäufen geschlagen“ werden. Die eitle IWF-Chefin Christine Lagarde, die immer so wirkt, als wolle sie jeden fragen „Haben Sie mein neues Chanel-Kostüm schon bewundert?“, hat nach Meinung des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gerade Griechenland zur „Schuldenkolonie“ gemacht.

Wie will sie eigentlich das Milliarden-Darlehen für die Ukraine rechtfertigen, die sich nicht nur in einem Bürgerkrieg befindet, sondern auch noch völlig pleite ist? Aber Madame Lagarde schmeisst den IWF-Laden ja überhaupt nicht, das tun in Wirklichkeit die „Masters of the Universe“ der Achse Washington-Wall Street.

Die EU ist out, die BRICS-Staaten und die SCO sind in!

Das Chaos-Imperium hat gute Gründe, sich über den Konflikt zwischen der EU und Russland zu freuen. Auch Moskau geht davon aus, dass die Sanktionen gegen Russland nicht so schnell aufgehoben werden. Die USA können aber nicht darauf hoffen, dass das ewig so bleibt. Die deutschen Industriekapitäne sind nicht besonders „amused“. Noch vor ein paar Jahren hat Präsident Putin – in Deutschland – ein grösseres Europa vor – geschlagen, das von Lissabon bis Wladiwostok reicht; durch die Tragödie in der Ukraine sieht er sich nun aber gezwungen, seinen Blick stärker „nach Osten“ zu richten. Aus der strategischen Partnerschaft zwischen Russland und China könnte sich daher ein eurasischer Wirtschaftsraum entwickeln, der von St. Petersburg bis Shanghai reicht; gleichzeitig betreibt China ja auch noch das Projekt einer neuen Seidenstrasse, die von China über Zentralasien nach Europa führen soll, und will ausserdem die Transsibirische Eisenbahn als Hochgeschwindigkeitsstrecke ausbauen.

Der Mythos von Russlands „Isolierung“, den Washington und seine Vasallen verbreiten, ist ein Witz. Auch wenn das US-Chaos-Imperium weiterhin versucht, einen zweiten Kalten Krieg vom Zaun zu brechen, kann es Russland damit nicht isolieren. Die russische Diplomatie ist sehr aktiv – von Indien in Südasien bis nach Ägypten im Nahen Osten. In diesem Sommer wird Russland Gastgeber für zwei wichtige Gipfel sein: für die BRICS-Staaten und für die Schanghai Cooperation Organization / SCO. Die BRICS-Staaten streben verstärkt nach einer multipolaren Welt – mit der Gründung einer eigenen Entwicklungsbank und der Abwicklung ihres Handels in ihren eigenen Währungen. Die SCO wird bald Indien und Pakistan und in der nahen Zukunft auch noch den Iran als neue Mitglieder begrüssen können und damit zur grössten politischen und wirtschaftlichen Allianz Asiens werden.

In den obsessiven Planungen des Chaos-Imperiums sind irgendwelche Vorteile für die EU nicht vorgesehen. Ausser zu Gazprom sind fast alle Beziehungen zu russischen Handelspartnern für die nahe Zukunft auf Eis gelegt. Und von der Ukraine hat die EU (ausser Geldforderungen) kaum etwas zu erwarten. Sie wird aber vermutlich keinen einzigen ihre ständig an Wert verlierenden Euros opfern, um die Ukraine vor dem Bankrott zu „retten“, und ihr hoffentlich auch nicht den NATO-Beitritt anbieten, weil das ein Spiel mit dem Feuer wäre.

Ich behaupte, dass die weitere Entwicklung vor allem von Deutschland abhängt. Wenn Deutschland Geschäfte mit den eurasischen Mächten Russland und China machen will, müsste es eigentlich wissen, wo seine strategischen Prioritäten liegen. Zutiefst verunsicherte Diplomaten in Brüssel haben angedeutet, Moskau habe eine klare Botschaft gesandt: Entweder akzeptiert ihr die bei Chinesen so beliebte „Win-win-Situation“ eines einheitlichen Wirtschaftsraumes von Lissabon bis Wladiwostok, oder die EU folgt dem US-Chaos-Imperium in der Ukraine in eine Konfrontation mit Russland und erhält als vergiftetes Geschenk einen Krieg an ihrer Ostgrenze, den sie nicht gewinnen könnte

Weiterlesen:

http://www.fit4russland.com/interviews/940-steigt-deutschland-aus-dem-us-chaos-projekt-aus

 

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