Atomkrieg ist machbar, Herr Nachbar

U.Gellermann

27. Juli 2015

Es war der gute alte, kalte Krieg, der das „Gleichgewicht des Schreckens“ hervorgebracht hatte. Die USA und die Sowjetunion hatten so viele Atomwaffen in ihren Arsenalen, dass jede Macht die andere mehrfach zerstören konnte. Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter, war die Erkenntnis, der eine gewisse, makabre Vernunft zugrunde lag. Schon seit geraumer Zeit scheint die Logik, nach der Kriege geführt werden, um sie zu gewinnen, in den USA ausgesetzt zu sein. Kriege wie der im Irak oder in Libyen kennen keine klassischen Gewinner. Kein Landgewinn ist zu erkennen, kaum Rohstoffgewinne sind zu verzeichnen, kaputte Staaten sind die einzig messbaren Ergebnisse. Immerhin wurden diese Kaputtmach-Kriege bisher ohne Atomwaffen geführt. Das soll sich ändern. Das „Center for Strategic and International Studies (CSIS)“ in Washington hält in seinem Report PROJECT ATOM kleine Atomkriege „kontrollierte nukleare Angriffe“ für möglich.

Die CSIS-Denkfabrik liegt an der Rhode Island Avenue Washington. Das National Geographic Museum mit seinen wissenschaftlichen Beständen ist nicht weit entfernt. Und wer das Kramerbooks & Afterwords Café auf der nahegelegenen Connecticut Avenue mit ihren zweistöckigen Häusern besucht, der könnte glauben er sei in Europa: Gute Bücher, gutes Essen, gute Leute prägen das Bild. So möchte man in Deutschland die USA sehen: Zivilisiert und berechenbar. Doch wer sich die Namen der Aufsichtsräte des CSIS anschaut – Henry Kissinger, Zbigniew Brzeziński, James R. Schlesinger sind darunter – der erkennt nicht nur den bedeutenden Einfluss der Institution auf die amerikanische Regierungspolitik. Der kann an den Namen auch die Kriege der USA ablesen: Von Vietnam über Afghanistan bis zur Ukraine. Die Aufsichtsräte waren, als Planer oder Administratoren, immer und gern dabei.

Natürlich kommt auch die verrückteste Theorie nicht ohne den Anschein von Logik aus: „Die amerikanische Heimat wäre von einer Reaktion der USA auf einen atomaren Angriff auf einen regionalen Verbündeten nicht betroffen“, schreibt der CSIS-Report der US-Regierung ins Hirn. Man kann, so ist die Denke der wahnsinnigen Strategen, nette kleine Atomkriege führen, ohne das Leben der US-Bürger zu gefährden. Durch die „Stationierung robuster, zielgenauer nuklearer Reaktionsoptionen“ könnten die USA taktische Atomschläge „auf allen Stufen der nuklearen Eskalationsleiter führen“ will der Report glauben machen. Und senkt so die Schwelle für den atomar geführten Krieg: Wer zuerst schießt, so hoffen die Irren an der Rhode Island Avenue, könnte überleben.

Wer diese „robusten“ und „zielgenauen“ Atomschläge außerhalb der US-Grenzen führen möchte, der braucht Partner im Ausland. Es müssen Frauen und Männer sein, denen das eigene Land ziemlich gleichgültig ist. Oder auch solche, die auf eine schnelle, sichere Flucht hoffen. Denn nach den bisherigen Erfahrungen mit den USA und ihren räumlich begrenzten Kriegen, ist das jeweilige Land nach dem kleinen Krieg ganz großartig kaputt. Auf der Suche nach den ultimativen Verrückten sind die USA in der Ukraine fündig geworden. Man braucht keine klinischen Untersuchungen, um den Grad der Hirndeformation ukrainischer Machthaber festzustellen: Wer bereits vor Eintreffen von US-Truppen Teile seines Landes in Trümmer legt, um es von vermeintlichem Terror zu befreien, der ist schon eine Gefahr für sich und erst recht für andere.

Weil aber gerade der Verrückte dringend den Anstrich der Normalität braucht, gießt er, wenn er denn über ein ganzes Land zum Spielen verfügt, seine Wahn-Ideen gern in Gesetze. So kam es denn am 4. Juni 2015 in der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament, zur Annahme des Gesetzes 2953. Die ukrainische Nachrichtenagentur UNIAN teilt ihren schaudernden Kunden mit, dass es jetzt eine rechtliche Grundlage für den Aufenthalt ausländischer Truppen in der Ukraine gibt, wenn zum Beispiel die Europäische Union dies beschlossen habe. Und auch die „schnelle Stationierung von Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen“ sein nun gesetzlich verankert. Zwar ist die Ukraine nicht Mitglied der EU, aber das bißchen Souveränität gibt man augenscheinlich gern auf, wenn der kleine Atomkrieg möglich ist. Zudem haben Oligarchen genug Geld, um eine schnelle Flucht jederzeit zu ermöglichen.

Während die deutsche Öffentlichkeit – bis in die Massenmedien hinein – langsam den Glauben an den Verstand ukrainischer Politiker verloren hat, vertraut sie immer noch den Köpfen in der eigenen Regierung. Doch obwohl Geisteskrankheiten nicht ansteckend sein sollen: Auch deutsche Politiker sind von der amerikanischen Krankheit befallen. Wie sonst könnte man eine Regierung als befreundet bezeichnen, deren Außenpolitik in den letzten Jahren weitgehend von Kriegen bestimmt war und ist. Auch die Teilnahme von Bundeswehrsoldaten an einem NATO-Manöver (Rapid Trident) in der Ukraine unter Führung der USA, weist nicht auf eine stabile geistige Gesundheit hin: In einem Land, das von Verrückten beherrscht wird, unter Führung eines Landes Krieg zu spielen, das begrenzte Atomkriege erwägt, ist kein Beweis für Vernunft. Welches Land die atomar kontaminierten Merkel, von der Leyen oder Steinmeier im Konfliktfall aufnehmen wollte ist unsicher. Sicher ist nur: Das Gleichgewicht des Schreckens ist durch eine neue US-Denkweise abgelöst worden: Atomkrieg ist machbar, Herr Nachbar.

 

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